BOOSTER Corona. Interview mit Elisabeth Motsch

BOOSTER CORONA. Die DreamTeam Interviewreihe.

Heute: Elisabeth Motsch

Expertin für stilvollen Auftritt im Business, Vortragsrednerin, Trainerin und Coach

DreamTeam: Was zeichnet Ihre unternehmerische Grundhaltung in der Pandemie aus ?

Elisabeth Motsch: Am Beginn der Pandemie empfand ich mich selbst wie in einem Vakuum in meinem eigenen Kosmos, so als würde es die Pandemie nicht geben. Zwar ist anfangs das gesamte Geschäft weggebrochen, aber ich lernte loszulassen und empfand trotz anfänglicher Existenzängste ein herrliches Glück der Entspanntheit. Ich fühlte mich wie unter einer Glocke, befreit um die vagabundierende Managerin.

DreamTeam: Was waren Ihre ersten (gestalterischen) Schritte in der Anfangsphase von Corona?

Elisabeth Motsch: Anfangs habe ich einfach genossen, Zeit zu haben. Erst als sich abzeichnete, dass Corona länger andauern wird, habe ich vieles neu überdacht und neue Seminar-Formate für Unternehmen entworfen. Online-Coachings waren schon seit ca. 2 Jahren Standard, diese habe ich intensiviert und neue Produkte erschaffen, vieles ausgetauscht und es genossen, neu zu denken.

DreamTeam: Was hat Sie als Unternehmer persönlich in der Pandemie geschmerzt ? Was sind Ihre PainPoints?

Elisabeth Motsch: Geschmerzt hat mich, keine Spontanität mehr leben zu können. Auch den analogen Kontakt zu den Menschen vermisse ich sehr. Mir fehlt die Interaktion mit meinen Kunden und Seminarteilnehmern und deshalb möchte ich nicht NUR online arbeiten. Besonders geschmerzt hat allerdings der Umgang der Menschen miteinander. Umgangsformen und Stil haben scheinbar keinen Wert mehr und sind in den Online-Formaten und sozialen Medien teilweise verloren gegangen, es herrschte eine regelrechte Pandemie-Trauer. Ich selber habe immer das Licht am Ende gesehen, so bin ich erzogen worden.

DreamTeam: Sind Ihnen auch echte FuckUps passiert? Was waren Ihre Learnings?

Elisabeth Motsch: Es war eigentlich kein richtiges Fuck-Up, aber eine sehr wesentliche Erkenntnis, die ich durch Corona erfahren durfte: Sehr sorgsam auszuwählen, was einem in der Krise guttut, besonders in den sozialen Medien und den vielen Angeboten, die es online gab. Anfangs glaubte ich vermehrt auf allen Kanälen präsent sein zu müssen, weil meine Kunden gerade andere Sorgen hatten, als ein Seminar zu buchen. Ich besuchte zu viele Online-Meetings und -Seminare, auch abends und netzwerkte ständig, um mit der herausfordernden Zeit Schritt zu halten. Ich kam nicht mehr zur Ruhe und verlor meinen Weg. Im September habe dann ein neues Buchprojekt mit der OÖ Medienfrau Mag. Doris Schulz begonnen, das hat mich wieder geerdet. Ich konnte dem Stress entfliehen und wieder achtsam werden.

Mir wurde in der Pandemie mehr denn je bewusst, dass im New Work andere Regeln herrschen. Früher war ich sehr streng, mein Credo lautete: „Das ist der Dresscode und so hast Du Dich zu benehmen, Punkt“. Das hat sich geändert. Mein Credo heute: „Erst wer die Regeln kennt, kann sie brechen“. Wer sich mitmenschlich stimmig und situationsgerecht gegenüber anderen verhält, zeigt Wertschätzung und Respekt.

Heute achte ich darauf, welche Werte jeder Einzelne braucht, um sein „ICH“ zu leben und wie man diese mit den Unternehmenswerten in Einklang bringt, damit es für beide Seiten stimmig ist. Wenn diese Werte nicht kompatibel sind, gibt es auf beiden Seiten Werteverletzungen, das tut keinem gut. Wertekultur und Achtsamkeit haben sehr an Bedeutung gewonnen.

DreamTeam: Was sind demgegenüber Ihre GainPoints, dh womit haben Sie (im Wettbewerb) gepunktet? Worauf sind Sie stolz?

Elisabeth Motsch: Ich habe vieles erlebt, aus dem ich lernen durfte, aber stolz bin ich vor allem auf mein neues Umgangsformen-Buch: „Der Benimm-Code“, das im Juni erscheint. Ebenso darauf, dass ich nie in die Opferrolle gegangen bin, sondern immer aktiv nach vorne geschaut habe. Außerdem haben sich interessante Kooperationen ergeben, neue Kunden kamen durch meine vielen Aktivitäten in den sozialen Medien auf mich zu und das Führungskräfte-Coaching boomt.

Aktuell bereite ich gerade ein neues Seminar – online und offline - für junge Führungskräfte und High Potentials vor, die im Umgang mit ihren Mitarbeitern und Stakeholdern, in Bezug auf Wirkung, Auftreten und Benehmen, Vorbild sein wollen. Denn eine gute Führungskraft von heute pflegt einen wertschätzenden Umgang mit seinem Umfeld und sendet mit seiner Kleidung die richtigen Botschaften, im Einklang mit seinen Werten. Das ist gerade heute für (junge) Führungskräfte wichtiger denn je, um Unternehmen erfolgreich durch diese Zeit und in die Zukunft zu führen. Das macht mich glücklich und bestätigt mir, die Pandemie gut genutzt zu haben, um Neues zu gestalten und zu entwickeln.

DreamTeam: Was konnten Sie durch Corona beschleunigen? (Innovation, Markt, Mitarbeiter)

Elisabeth Motsch: Eigentlich war Corona eher eine Entschleunigung, ein „Runterbeamen“ und „Langsamer gehen“. Dadurch war es mir möglich, nicht mehr so sehr im Rad mit allen und allem mitzulaufen, sondern gezielt darauf zu achten, dass ich auch Freizeit lebe. Ich bin auch mir selbst gegenüber achtsamer geworden, habe einen großen Vortrag abgesagt, weil das Setting für mich einfach nicht gepasst hat. Das hätte ich früher nicht gemacht. Das neue achtsame Selbstmanagement lässt mich nicht erst fragen, was der andere braucht, sondern was ich brauche.

DreamTeam: Was ist Ihre Schlussbotschaft an die Leser?

Elisabeth Motsch: Es gibt immer einen Weg. Alles was zuerst so dramatisch wirkt, ist am Ende des Tages (fast) immer ein Gewinn.

07.05.2021

© DreamTeam & Elisabeth Motsch

Herzlichen Dank an Elisabeth Motsch, www.motsch.at